Wie können wir Technologiebausteine mit hoher Reife entwickeln?

Mit dieser Frage startete die Zusammenarbeit mit dem Vorentwicklungsbereich unseres Kunden. Gemeinsam haben wir die Chance genutzt, um den bisherigen Ansatz grundlegend zu überdenken. Das Ergebnis: ein neuer, klar strukturierter Vorentwicklungsprozess, der technologische Ideen systematisch in tragfähige Lösungen überführt und dabei Raum für Kreativität lässt.

Unser Kunde und das Projekt

Spitzentechnologie für Luftfahrt, Wehrtechnik und Industrie

Produkte: Inertialsysteme, Beschleunigungsmesser, Sensoren

Umsatz: 150 Mio. €

Mitarbeiter: 700

Auftraggeber: Geschäftsführer

Projektdauer: 2 Monate

Beratertage: 15

Erfolgsfaktor Vorentwicklung

Ein strukturierter Vorentwicklungsprozess senkt technische Risiken, schafft Wissen und beschleunigt die Produktentwicklung.

In der Vorentwicklung werden technologische Ideen in tragfähige Produktkonzepte oder Technologiebausteine überführt. Der Fokus liegt auf der Machbarkeitsprüfung und dem Nachweis von Funktionsgrenzen, Herstellbarkeit und zu erwartenden Herstellkosten. In iterativen Schleifen werden technische Risiken reduziert, Lösungsansätze konkretisiert und erste Muster gebaut – vom Funktionsmuster bis zum Demonstrator. Gute Vorentwicklungsprozesse schaffen einen belastbaren Wissenstransfer in die Produktentwicklung und reduzieren spätere Änderungen, Verzögerungen und Kosten.

Die Herausforderung

Technologiereife steigern / Time to Market verkürzen

Technologieführerschaft und eine kurze Time to Market sind heute entscheidende Erfolgsfaktoren, um von den aktuellen Wachstumschancen in der wehrtechnischen Industrie zu profitieren. In der Vergangenheit waren die Technologiebausteine bei unserem Kunden häufig noch nicht ausgereift, was zu hohen Risiken und erheblichen Terminverzögerungen in den Produktentwicklungsprojekten führte. Daraus ergab sich ein großes Potenzial, durch die gezielte Reifegradsteigerung der Technologien die Time to Market deutlich zu verkürzen.

Die Lösung

Organisatorische Trennung und ein leistungsfähiger Prozess

Eine organisatorische Trennung von Vorentwicklung und Produktentwicklung ist in vielen Fällen ein wirksamer Hebel, um den Fokus und die Wirksamkeit der Vorentwicklung deutlich zu steigern. Sie verhindert eine „Kannibalisierung“ durch kurzfristige Prioritäten der Produktentwicklung, die sonst häufig zu Verzögerungen und unkonzentrierter Bearbeitung führen. Aus diesen Gründen hat sich auch unser Kunde entschieden, beide Bereiche klar organisatorisch zu trennen.

Ein zweiter zentraler Lösungsbaustein ist die Einführung eines leistungsfähigen Vorentwicklungsprozesses, der zusätzlich zum bestehenden Produktentstehungsprozess etabliert wird. Dieser Prozess sorgt für eine strukturierte, nachvollziehbare Vorgehensweise mit definierten Aufgaben, Entscheidungspunkten und Ergebnissen. Besonders entscheidend sind ein klar formulierter Projektauftrag zu Beginn sowie eine saubere Übergabe an das zuständige Produktentwicklungsteam am Ende – beides sichert die Anschlussfähigkeit und den Erfolg der Vorentwicklungsarbeit.

Die Vorgehensweise

Von der Vision zur klaren Struktur: Wie wir den Vorentwicklungsprozess neu gedacht hat

Im ersten Schritt haben wir bewusst innegehalten und gemeinsam den Zweck des neuen Prozesses formuliert. Dieses klare „Warum“ schuf eine gemeinsame Vision und richtete das Projektteam auf ein Zielbild aus. Darauf aufbauend wurde definiert, welchen Reifegrad ein Technologiebaustein erreichen soll – TRL 5, der funktionierende Prototyp im realitätsnahen Umfeld, wurde als Zielmarke festgelegt.

Dann ging es ins Detail: Für welche Arten von Projekten soll der Prozess gelten? Ob explorative Studien, interne Technologieinitiativen oder interne Auftragsentwicklungen – wir haben den Rahmen so gespannt, dass er Flexibilität zulässt, aber klare Orientierung bietet. Ein Schlüsselaspekt war dabei die Rolle des Auftraggebers: Wer gibt das Ziel vor – die Vorentwicklung selbst, die Produktentwicklung oder ein externer Kunde?

Der neue Prozess wurde als Stage-Gate-Modell mit acht klaren Phasen aufgebaut: von der strategischen Einbettung ins Technologiemanagement über die Ideengenerierung und Anforderungsdefinition bis hin zu den vier Entwicklungsstufen (TRL 2 bis TRL 5) und der abschließenden Übergabe. Jeder Schritt folgt dabei einer durchdachten Logik – beschrieben nach dem SIPOC-Prinzip und ergänzt um Tailoring-Hinweise für unterschiedliche Projekttypen.

Das Ergebnis: Ein gemeinsamer Rahmen, der Orientierung gibt, Entscheidungsprozesse strukturiert und die technologische Innovationskraft gezielt fördert.

Der Nutzen

Kürzere Time to Market durch Klarheit, Effizienz, Verbindlichkeit und hohe Technologiereife

  • Klare Zielausrichtung 
  • Transparenz über Reifegrade und Entscheidungslogik
  • Verbindlichkeit und Wiederverwendbarkeit
  • Effizienz durch Tailoring
  • Klare Schnittstelle zur Produktentwicklung
  • Beitrag zur Technologie- und Innovationsstrategie